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BeitragVerfasst: Mo 5. Sep 2011, 18:42
von Drill
Ich finde es aber spannend, das sich nun die Welse hier ansiedeln.

Spricht das für eine bessere Wasserqualität oder einfach Zufall?

Ich kenne mich im Bereich des Welses auch nicht aus. Ist das ein Fisch der gute Wasserqualität braucht oder nur viel Nahrung?

BeitragVerfasst: Mo 5. Sep 2011, 18:59
von dorschgreifer
Drill hat geschrieben:Ich finde es aber spannend, das sich nun die Welse hier ansiedeln.

Spricht das für eine bessere Wasserqualität oder einfach Zufall?

Ich kenne mich im Bereich des Welses auch nicht aus. Ist das ein Fisch der gute Wasserqualität braucht oder nur viel Nahrung?


Ich denke, die stammen aus dem Hamburger Besatz und wandern nun langsam in die Nebenflüsse...

BeitragVerfasst: So 11. Sep 2011, 10:03
von Zanderhunter
Der Bestand in der Elbe nimmt stetig zu, da bleibt es nicht aus, dass es auch Auswirkungen auf so große Nebenflüsse wir unsere Stör hat.

Neulich habe ich irgend wo einen Bericht über die benötigten Futtermengen von Welsen gelesen, das ist gart nicht so schlimm. Klein Vergleich zu unseren schwarzen Freunden mit Federn. Damit der Wels ein Kilo Gewicht zulegen kann, braucht er der x-fache an Futtermenge und das ist im Vergleich z.B. zum geliebten Zander viel niedriger.

Vielleicht finde ich den Artikel ja irgend wo noch einmal. Dann werde ich mal verlinken.

Gru0 Sönke

BeitragVerfasst: So 11. Sep 2011, 16:52
von Jochi
Zanderhunter hat geschrieben:Damit der Wels ein Kilo Gewicht zulegen kann, braucht er der x-fache an Futtermenge


:?: :?: :?: Wieviel???

Auch auf diesem Wege noch einmal meine allerherzlichsten Glückwünsche zum Geburtstag!!!

BeitragVerfasst: Mo 12. Sep 2011, 04:44
von dorschgreifer
Der Bestand in der Elbe nimmt stetig zu, da bleibt es nicht aus, dass es auch Auswirkungen auf so große Nebenflüsse wir unsere Stör hat.


Mein Vater hatte letzte Woche gerade wieder einen in der Elbe, dieses jahr sein 5........



Zanderhunter hat geschrieben:Neulich habe ich irgend wo einen Bericht über die benötigten Futtermengen von Welsen gelesen, das ist gart nicht so schlimm. Klein Vergleich zu unseren schwarzen Freunden mit Federn. Damit der Wels ein Kilo Gewicht zulegen kann, braucht er der x-fache an Futtermenge und das ist im Vergleich z.B. zum geliebten Zander viel niedriger.

Vielleicht finde ich den Artikel ja irgend wo noch einmal. Dann werde ich mal verlinken.

Gru0 Sönke


Das hat ein Fischereibiologe dazu geschrieben:

Dazu gibt es wissenschaftliche Arbeiten, die einiges zeigen: Er frisst viel, wieviel hängt von der Jahreszeit/Wassertemperatur und seiner Körpergröße ab, davon hängt auch seine Aktivität und sein Wachstum ab. Ob er eine Gefahr für ein Gewässer ist, kann man also nur beurteilen, wenn man das Gewässer gut kennt bzgl. Größe, Chemie und Physik. Welse in Italien fressen mehr und wachsen schneller als bei uns. Irgendwann ist er dann 80 Jahre alt und über drei Meter groß, wenn man ihn bis dahin schön mit Aal, Schlei- oder Karpfenbesatz gefüttert hat

Da der Kormoran irgendwann ausgewachsen ist, kann man hier einfacher eine Konsumptionsrate angeben, es leuchte ein, dass ein 50 cm Wels im Winter weniger frisst als ein 3 m Wels im Sommer, wobei es eben auch noch eine Rolle spielt, ob es ein Sommer in S-H oder Italien ist.

Ja, in kleinen geschlossenen Gewässern ist der Wels eine Gefahr für den übrigen Fischbestand, den er problemlos auf ein anglerisch uninteressantes Maß reduzieren kann. Er frisst auch große Weißfische, die dem Hecht nicht mehr ins Maul passen, z.B. maßige Karpfen und sogar auch Hechte über 50 cm, die außer uns keinen Feind (Kormoran?) haben. Kollegen aus Niedersachsen hegen schon länger den Verdacht, dass ein dramatischer Rückgang der Weißfischbestände in einigen Fließgewässern mit dem fachlich falschen Besetzen mit Welsen im Zusammenhang steht.

Der Wels ist ein Bewohner der größeren Seen und ruhigen Flüsse mit beträchtlichen Tiefen und weichem Grund (aus Duncker 1960). Natürliche Vorkommen in Norddeutschland sind ausschließlich im Elbe- und Travegebiet

Ich schau mal, ob ich eine Konsumptionsrate für unsere Breiten finde, als Daumenregel kann man sagen für eine Zunahme von 1 kg Körpergewicht muss er als Raubfisch 5-10 kg Fisch fressen, daneben hat er noch erhebliche Kosten für den Stoffwechsel, die Fortpflanzung und Aktivität, also Wachstum ist nur ein Teil seines täglichen Bedarfs, das wird oftmals falsch bewertet und führt dann zu abstruß niedrigen Fressraten und geringer Aktivität.

Konsumptionsrate: damit ist die Menge (z.b. in kg) gemeint, die ein Fisch (dann) pro kg Körpereigengewicht in einer bestimmten Zeit (pro Tag oder Stunde oder...) frisst. Damit kann man dann das Wachstum und andere Prozesse die den Stoffwechsel benötigen in Verbindung setzen. Ziel ist es dann die Bedeutung in Nahrungsnetzen abschätzen zu können, das ist Gehirnjoga.

Beim Kormoran beträgt die tgl. Fischkonsumption ca. 500 g pro Tier und Tag, wie man sieht, geht das bei Fischen nicht, weil die ein (theoretisch) unendliches Wachstum haben, zumindest bis zum Tod


Für Fressmaschinen ist es günstig jederzeit so viel wie möglich zu fressen. Nachts kommt man besser an die Beute, da ein Teil der Nahrung weniger aktiv ist und optische Warnsysteme weniger anzeigen, das führt dazu, dass Welse als langsamschwimmende Staubsauger eher nachts fressen, das heißt aber nicht, dass sie nicht auch tagsüber fressen, wenn die Beute mundgerecht vorbeischwimmt. Sie fressen also ständig, jedenfalls wenn es warm genug ist. Ein Sättigungsgefühl gibt es nicht, sondern nur einen Füllungsgrad, wenn voll, wird zunächst verdaut bis wieder etwas passt.


Daruafhin hatte ich das gefunden:

Ich hatte mal irgendwo was aufgeschnappt und abgeschrieben, dass folgende Aussage hatte für einen 30 Kg schweren Wels mit der Annahme, dass er ca. 12 Jahre alt sei:

Für 1 Kg Gewichtszunahme benötigt er grundsätzlich 6 Kg Nahrung.

Mit 30 Kg * 6 Kg hat er somit 180 Kg Fisch gefressen

180Kg / 12 Jahre sind somit 15 Kg Fisch pro Jahr, die er frisst.

Und mich würde mal interessieren, ob das ansatzweise hinkommt, denn damit verursacht er beim Fischbestand dann ja grundsätzlich auch einen Bestandsschaden von 15 Kg Fisch pro Jahr, der kompensiert werden muss. Mal davon ausgegangen, dass er vorher in dem Gewässer nicht vertreten war.


Woraufhin er folgendes Antwortete:


Zitat:
Für 1 Kg Gewichtszunahme benötigt er grundsätzlich 6 Kg Nahrung.


Das ist genau der Verständnisfehler den ich meinte. Ein Kormoran wächst nicht, frisst aber trotzdem 500 g am Tag. Der Wels hat zusätzlich zu den Energiekosten für Fortbewegung, Verdaung und Ruhestoffwechsel etc. noch Kosten für das Wachstum. Deswegen ist es wichtig zu schreiben was gemeint ist, die Gesamtbilanz oder die Ausgabe nur für das Wachstum. Der KOrmoran hat als Warmblüter noch die Kosten für die Aufrechterhaltung seiner Temperatur, alles nicht einfach. Der Wels kann sich das sparen und wachsen, dafür ist der Kormoran im Winter warm genug, um herumzufliegen und sogar noch mehr zu fressen.


Zitat:
15 Kg Fisch pro Jahr, die er frisst


Auch mit dieser Zahl kann man nicht rechnen, denn es macht einen Unterschied ob man 1 kg große Welse hat oder 50 kg große.

Die Rechung sähe so aus: Tägliche Konsumption im Verhältnis zur Größe unter Berücksichtung der saisonalen Situation damit aufs Jahr hochgerechnet. Weiter unter Berücksichtigung der Altersstruktur.... gibt es erst dann eine Annäherung. Ohne zu wissen wie groß die Welse sind, ist der mögliche Fehler für die Abschätzung fast unendlich, gerade weil Welse so groß werden können.


Dann kam noch folgende Antwort:

Ein ausführlicher Artikel, der die Frage dieses Threads anders formuliert:


Zitat:
Daniel Katzoreck: Wird also der Einfluss des Welses auf unsere Gewässer überschätzt?

Thomas Klefoth: Für das natürliche Verbreitungsgebiet kann allgemein gesagt werden, dass der Wels keinen größeren und teilweise sogar einen geringeren räuberischen Einfluss auf das Ökosystem hat als die anderen natürlich vorkommenden Räuber wie Hecht und Barsch. Eine Überschätzung des Welses und seiner räuberischen Aktivitäten ist also nicht ausgeschlossen. Es ist aber wichtig immer zu versuchen, das gesamte Ökosystem im Auge zu behalten. In stark verbauten oder anders menschlich beeinflussten Gewässern kann sich eine völlig andere Situation ergeben als in naturbelassenen Systemen. Die immergültige richtige Antwort kann es somit nicht geben.

Was haben wir doch noch von Dunker (1960) im Hinterkopf: Der Wels ist ein Bewohner der größeren Seen und ruhigen Flüsse mit beträchtlichen Tiefen und weichem Grund. Dort ist er seit Jahrhunderten ein eingepasstes Mitglied der Lebensgemeinschaft, alter Hut.

Im Prinzip vielleicht aber auch nicht, möglicherweise anders, typisch Wissenschaft

Die Fressraten gibt es vermutlich in der englischsprachigen Fachliteratur, die wiederum steht in der Bibliothek und nicht im Internet, wobei man schon viel über die wissenschaftlichen Datenbanken online bekommt.


Und noch das:

(LIAO et al. 2004): Pro Jahr und ha folgt der Nahrungsbedarf eines Welses der Formel

y (Nahrungsbedarf) = 3,4316 * x (Welsgewicht) + 0,7579

Diese Verallgemeinerung bedeutet bspw., dass ein Wels der Länge 150 cm ~ 20 kg ungefähr 65 kg Fisch im Jahr frisst, sitzen auf dem ha zwei der Sorte, sind es 130 kg. Der natürlicherweise zu erzielende fischereiliche Ertrag in fruchtbaren Seen liegt so oberhalb von 50 kg pro ha. Was darüber hinaus entnommen wird, führt zu einer Abnahme im Fischbestand = Überfischungseffekte, artenselektiv. Nehmen wir dazu noch ein paar befiederte Fischräuber, haben also weder Fischer noch Angler in einem Gewässer mit vielen Welsen ein gutes Auskommen.

Nachtrag: in einem gesunden Gewässer sitzen natürlich meist zusätzlich noch Hechte und Barsche und .... die nehmen auch ihren Teil. Bspw. in der Elbe gibt es so viel Fisch....da macht das alles nix, aber in einem kleinen Baggersee?

BeitragVerfasst: Mo 12. Sep 2011, 17:36
von dat_geit
Das ist in der Tat Stand der Dinge und wissenschaftlich seriös.

BeitragVerfasst: Mo 19. Sep 2011, 07:05
von marcio25
Schon aber irgendwie intressant das sie hier reinwandern und anscheind auch wohlfühlen schließlich ist ein Besatz vom SAV kein Thema in der Stör, frag mich nur ob sich die auch bei uns Fortpflanzen können sprich ob sie hier gegebenheiten dazu finden??

BeitragVerfasst: Mo 19. Sep 2011, 10:17
von dorschgreifer
marcio25 hat geschrieben:..., frag mich nur ob sich die auch bei uns Fortpflanzen können sprich ob sie hier gegebenheiten dazu finden??


Das glaube ich schon, da gibt es sicherlich einige Ecken, wo das problemlos klappen könnte. Die Fische, die hier aufsteigen sind auch nicht alles Besatzfische, denn der Besatz ist in HH schon einige Jahre eingestellt. Und mein Vater hat in der Elbe auch schon welche von 30 cm gefangen....

BeitragVerfasst: Mo 19. Sep 2011, 14:56
von marcio25
Hauptsache sie verdrängen nicht irgendwelche anderen fische denke da an den Zander hauptsächlich.

BeitragVerfasst: Mo 19. Sep 2011, 15:24
von dat_geit
Übrigens kehrt die Barbe anscheinend auch wieder zurück :wink: