Quappenaufzucht

Alles rund um Gewässerbiologie, dessen Gleichgewicht und Verschmutzung.

Quappenaufzucht

Beitragvon dorschgreifer » Sa 6. Sep 2008, 07:27

Am 03.09.2008 war ich mit ein paar anderen Usern aus dem Verbandsforum in Aukrug bei der Fischzucht Kemnitz. Grund dieses Treffens war insbesondere die Besichtigung des Quappennachwuchses von den Fischen, die letztes Jahr beim Quappenlaichfischfang des Landesverbandes im ELK gefangen wurden. Ermöglicht hat das Ganze der Fischereibiologe des Landessportfischerverbandes Schleswig-Holstein, Martin Purps, der uns auch begleitete.

Die Besichtigung war wirklich absolut interessant und ich kann wirklich sagen, dass alle, die nicht dabei waren was verpasst haben.

Ich war auch erstaunt, als er berichtete wie viele Brütlinge von 28 Fischen produziert werden können. Das zeigte uns dann doch ganz schnell, dass man gar keine Massen benötigt, um den Bestand wieder aufzubauen. Wichtig ist eben nur, dass die Temperaturen über eine gewisse Zeit ziemlich konstant auf 4° gehalten werden und das die richtige Nahrung vorhanden ist, die die winzigen Brütlinge zum Anfang für ihr Überleben benötigen. Das Ablaichen findet immer ziemlich nah um Neujahr und in der Regel bei Vollmond statt. Interessant war auch, dass sie bei guter Nahrung und Günstigen Verhältnissen ca. 20cm pro Jahr wachsen können und so nach schon 2 Jahren wieder für eigenen Nachwuchs sorgen können. Bei dieser Art der Fischzucht ist auch anzumerken, dass sie für einen wachsenden Bestand sorgt, währen die meisten anderen Fischlieferanten lediglich einen Bestand (durch Abfischen) an irgendeiner Stelle reduzieren oder eventuell vernichten, um sie dann an Vereine (die es meistens nicht interessiert, wo die Fische herkommen) zu verkaufen. Das ist keine Bestandsvergrößerung, sondern lediglich eine Bestandsumsiedlung und eigentlich nicht der richtige Weg.

Interessant waren auch die Annahmen zu der regionalen Herkunft. Man kann noch nicht mit Sicherheit sagen, ob es eventuell 2 Unterschiedliche Stämme der Quappen gibt. Es könnte somit sein, das es zum einen eine standorttreue Art gibt, die etwas kleiner (35-50cm) im Wuchs ist und eine Wanderart, die etwas größer (im optimalen Fall wohl bis zu 1,50m) werden können. Es könnte auch genauso sein, dass sich die Gene der Fische auch an ihre Umgebung anpassen können und sich dann die eine oder andere Art daraus entwickelt. Grundsätzlich sollte man also beim Kauf von Quappen auf ihre Regionale Herkunft achten, um genau die Fische wieder anzusiedeln, die in die Region gehören. Dafür plädieren auch die Umweltämter, wie zum Beispiel in SH das ALR.

Hier sind also die Käufer gefordert, um nicht irgendetwas anzusiedeln, was eventuell ortsfremd ist.

Anzumerken ist auch, dass sich auch die Quappe derzeit im Förderprogramm aus der Fischereiabgabe befinden und dass es dadurch für den Bestandsaufbau eventuell Zuschüsse geben kann, über die nach Antrag entschieden wird.

Ich habe dann auch mitgeteilt, von Gewässern, über die ich weis, dass dort noch Quappen vorhanden sind, wenn auch nur mit Einzelexemplaren. Diese Kenntnisse habe ich von Fangmeldungen und Sichtungen. Diese Gewässer sind in SH im Einzelnen: Die Stör (Bereich Kellinghusen), der Breitenburger Moorkanal, die Brahmau, die Hörnerau, die Elbe, der Elbe-Lübeck-Kanal und die Schwentine.

Dann haben wir uns anschließen noch weiter bei der Fischzucht Kemnitz umgeschaut und uns viel erklären lassen. So konnten wir z.B einige unterschiedliche Teich- und Flussmuscheln besichtigen. Dabei stellte man schnell fest, dass einem die Unterscheidung der Muschelarten wirklich nicht leicht fällt. Gezüchtet werden dort auch noch diverse Zierfische und sogar Bitterlinge. Bei den Bitterlingen handelt es sich auch wieder um die hier heimische Europäische Art und nicht um die Amerikanische Art, die sich nur schwer unterscheiden lassen. Erklärt wurde uns auch, das der Amerikanische Kamberkrebs im Signalkrebs (größer und wesentlich beweglicher und kräftiger mit seinen Scheren) einen Gegner gefunden hat, der ihn verdrängt. Allerdings verschiebt sich dadurch nur die Plage vom Kamberkrebs auf den Signalkrebs, also auch kein Heilmittel.

Also Alles in Allem war der Abend ein wirklich runde Sache und ich bin schon ganz gespannt auf das Erneute Quappenlaichfischangeln, das für den Dezember diesen Jahres geplant ist.

Anzumerken ist noch, das es sich bei denQuappen um einen sehr delikaten Speisefisch handelt. Dafür lasse ich jeden Aal, Zander oder Dorsch stehen. Sein Mindestmaß für die Binnengewässer beträgt 35cm, wie beim Aal, allerdings ist dann dreimal soviel Fleich an einer Quappe, im Vergleich zum Aal.

Von mir gefangene Quappen, am 27.01.2008

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Hier ein Brütling von Januar diesen Jahres

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Hier der Fischer Jan Kemnitz, der weis, mit seinem Gerät umzugehen.

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Beitragvon Hornhecht » Sa 6. Sep 2008, 08:10

Hallo dorschgreifer

ich habe in der Stör eine "genehmigte" Reuse liegen, im Bereich zwischen Hafen und Rensinger See. Mir ist aufgefallen, das wir vermehrt, also fast einmal wöchentlich, Quappen in der Reuse haben. Die Größe so ca. 45cm.
Alle natürlich wieder zurück gesetzt, wir wollen doch Aale fangen und nicht andere Fische.
Das ist aber erst seit diesem Jahr so, vorher hatte ich solch einen Fisch noch nicht gesehen.
Das heist also, das sich der Bestand in der Stör verbessert hat.

Gruß Rudi
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Beitragvon dorschgreifer » Sa 6. Sep 2008, 09:18

Hornhecht hat geschrieben:Hallo dorschgreifer

ich habe in der Stör eine "genehmigte" Reuse liegen, im Bereich zwischen Hafen und Rensinger See. Mir ist aufgefallen, das wir vermehrt, also fast einmal wöchentlich, Quappen in der Reuse haben. Die Größe so ca. 45cm.
Alle natürlich wieder zurück gesetzt, wir wollen doch Aale fangen und nicht andere Fische.
Das ist aber erst seit diesem Jahr so, vorher hatte ich solch einen Fisch noch nicht gesehen.
Das heist also, das sich der Bestand in der Stör verbessert hat.

Gruß Rudi


Vielen Dank für die Info.

Das sind genau die Informationen, die wir brauchen. Werde das mal gleich an den Biologen vom LV weitergeben. Weil, wenn es eine Quappe aus der Stör ist, dann wären das sehr gute Fische, insbesondere für die regionalen Grundlagen. :wink:
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Re: Quappenaufzucht

Beitragvon Carp4Fun » Sa 6. Sep 2008, 10:48

Moin Rüdiger,

Danke für den interessanten und aufschlussreichen Bericht und schön zu lesen, dass sich die Kleinen ganz prächtig entwickeln! :daumenhoch: Ist schon bekannt, wann sie ausgesetzt werden sollen? Gewässer dann ja wahrscheinlich der ELK bzw. ein Nebengewässer, oder?

dorschgreifer hat geschrieben:Anzumerken ist auch, dass sich auch die Quappe derzeit im Förderprogramm aus der Fischereiabgabe befinden und dass es dadurch für den Bestandsaufbau eventuell Zuschüsse geben kann, über die nach Antrag entschieden wird.

Unsere Gewässerwarte lesen hier mit... :wink: :idea:
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Re: Quappenaufzucht

Beitragvon dorschgreifer » Sa 6. Sep 2008, 12:37

Wann und wo sie ausgesetzt werden, dass steht noch nicht fest. Derzeit steht die Aufzucht im Fordergrund. Und wenn dann genug Besatzfisch vorhanden ist, wird der zweite Schritt angegangen. :wink:



Carp4Fun hat geschrieben:Unsere Gewässerwarte lesen hier mit... :wink: :idea:


Das ist ja sehr schön. Das müssen sie dann aber auch in den Hegeplänen berücksichtigen, denn nur dann gibt es diese Zuschüsse überhaupt.

Ich habe das bei uns im Verein auch schon kund getan, aber die Mühlen malen sehr langsam. Es dauert immer erst ein wenig, bis das in den Köpfen umgesetzt wird. Und die Gewässerwarte befinden sich ja auch immer im Zwiespalt, zwischen den Mitgliedern, die lieber eine Tonne Karpfen haben wollen, bevor an den Artenschutz gedacht wird.

Das war bei den Meerforellen und Lachsen nicht anders und nun läuft das doch schon ganz gut bei den Salmoniden. Ich hoffe, dass es bei den Quappen genauso klappt. :wink:
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Re: Quappenaufzucht

Beitragvon Carp4Fun » Sa 6. Sep 2008, 19:01

dorschgreifer hat geschrieben:...die lieber eine Tonne Karpfen haben wollen, bevor an den Artenschutz gedacht wird.

Ja ja, alles nicht so einfach, ich weiß. Und wenn da 10x irgendwas von Hegeverpflichtung in gewissen gesetzlichen Regelwerken geschrieben steht. :wink: Gerade die Quappe hat's bestimmt nicht ganz leicht und umso wertvollerer sind halt Informationen, wie du sie hier eingestellt hast.

Wie's der Zufall übrigens so will: War mit Rudi vor ner halben Stunde im Kellinghusener Hafen und haben mit einem Aalangler geschnackt, der gestern Nacht eine 65er Aalquappe zu verbuchen hatte. Vielleicht sollte man das zur entsprechenden Jahreszeit wirklich mal gezielt im Rahmen eines winterlichen Forumtreffs in Angriff nehmen. Ich kümmere mich dann auch um den Glühwein. :lol:
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Re: Quappenaufzucht

Beitragvon dorschgreifer » Mo 8. Sep 2008, 05:40

65cm Quappe, ich bin ja entzückt. Wurde die auch wieder in Eurem Bereich, höhe Hafen / Rensinger See gefangen?


Carp4Fun hat geschrieben: Vielleicht sollte man das zur entsprechenden Jahreszeit wirklich mal gezielt im Rahmen eines winterlichen Forumtreffs in Angriff nehmen. Ich kümmere mich dann auch um den Glühwein. :lol:


Das hatten wir ja schon mal lose angedacht. Dann müssen wir nur mal einen guten Platz finden, wo wir gemeinsam unterkommen. Ich denke mal, so ab ende Oktober könnte das interessant werden. :wink:
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Beitragvon Hornhecht » Mo 8. Sep 2008, 06:09

Moin moin

Die Quappe wurde im Hafen in Kellinghusen gefangen. Für einen Quappenansitz ätten wir die richtige Stelle. Haben Platz für 20 Leute.

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Beitragvon dorschgreifer » Mo 8. Sep 2008, 08:41

Hornhecht hat geschrieben:Moin moin

Die Quappe wurde im Hafen in Kellinghusen gefangen. Für einen Quappenansitz ätten wir die richtige Stelle. Haben Platz für 20 Leute.

Gruß Rudi


Na, das hört sich doch sehr gut an, dann lassen wir das mal etwas kälter werden....., vielleicht gibt es in der Stör ja schon mehr, als man ahnt. In der kälteren Jahreszeit haben ja die meisten Angler in der Stör Pause.
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Re: Quappenaufzucht

Beitragvon dorschgreifer » Do 27. Aug 2015, 12:40

Sehr lange ist es her, zwischenzeitlich gab es eine Ablehnung zu meinem Besatzantrag, weil der Förderhorizont nicht passte, das wurde letztes Jahr geändert, und dann gab es ein kurzfristiges Wunder, so dass ich heute ganz kurzfristig 3000 Quappen (10 -20cm) in die Stör besetzen konnte.....

Ein Beginn ist also gemacht und ich hoffe auf weiteren Besatz in den nächsten Jahren, dann dürften wir hier in 3-4 Jahren schon die ersten Erfolge bemerken... :banana:
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